Ein überaus ergiebiger Event
Zwei Dutzend Kommandanten nahmen an der 5. KoKo am 31. März 2026 in Lugano teil. Der Tenor war einhellig: Der Anlass war interessant und äusserst lehrreich und das Organ «Kommandantenkonferenz» scheint seine Rolle innerhalb des SZSV zu finden. Im Hinblick auf die nächste KoKo im Herbst nimmt sich jede der sieben Regionen einem spezifischen Thema konkret an und definiert mögliche Massnahmen.
SZSV-Präsidentin Isabelle Chappuis begrüsste die Kommandanten per Videocall aus dem Bundeshaus, wo die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats tagte. Danach stellte Gastgeber und Kommandant Christian Albeverio seine Protezione Civile Regione Lugano Città vor, eine Organisation mit fünf Einsatzkompanien und 876 Milizangehörigen, verantwortlich für 15 Gemeinden respektive 97'000 Einwohnende.
Zwei Dutzend Kommandanten nahmen an der 5. KoKo in Lugano teil. Der Tenor war einhellig: Der Event war interessant, lehrreich und das Organ «Kommandantenkonferenz» scheint seine Rolle innerhalb des SZSV zu finden.
SZSV-Präsidentin Isabelle Chappuis begrüsste die Kommandanten per Videocall aus dem Bundeshaus, wo die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats tagte. Danach stellte Gastgeber und Kommandant Christian Albeverio seine Protezione Civile Regione Lugano Città vor, eine Organisation mit fünf Einsatzkompanien und 876 Milizangehörigen, verantwortlich für 15 Gemeinden respektive 97’000 Einwohnende.
An der vergangenen KoKo im September 2025 war engagiert diskutiert worden, welches denn die Rolle dieses Organs innerhalb des SZSV sei. Gregor Müller, Markus Berger und Tom Weber realisierten im Rahmen ihrer Auswertung einen Massnahmenplan, welchen Weber in Lugano präsentierte. Erstellt wurden insgesamt acht Auftragskarten für folgende Bereiche: Anlässe, Ausbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Digitalisierung, BABS-Info, Bedürfnisse Basis, Politik sowie Material/Fahrzeuge. Der letzte Bereich wurde zurückgestellt, verbleiben sieben Themen für sieben Regionen.
«Jetzt seid ihr gefragt», animierte Tom Weber die Anwesenden zum Mitmachen. Die Idee: Jede Region soll zu Handen der nächsten KoKo ein Thema aufarbeiten und die Resultate an der kommenden Konferenz, Anfang November in Bern, präsentieren. «Auf diese Weise kommen wir gemeinsam einen Schritt weiter», zeigte er sich überzeugt. KoKo-Co-Präsident Patrick Sauzet unterstrich, der Fokus bei all diesen Themen sei nun aus den Regionen weg, auf die Sache des Zivilschutzes in der Schweiz, zu richten.
Nach engagierter Grundsatzdiskussion in Gruppen respektive den Regionen war man sich einig: Die Stossrichtung stimmt! Die im Herbst resultierenden Erkenntnisse seien in den SZSV-Vorstand zu bringen und dort zu diskutieren. Würden politische Massnahmen gefordert, habe dies zwingend via Präsidentin zu geschehen, welche die Möglichkeit habe, ein Thema auf die bundespolitische Ebene zu hieven.
Spannender Exkurs ins Arbeitsrecht
Überaus fundierte und aufschlussreiche Einblicke in das Arbeitsrecht servierte danach Dr. iur. Markus Hugentobler, seit 16 Jahren bei Centre Patronal Deutschschweiz tätig. Thema seines Referats: Zivilschutzeinsätze im Spannungsfeld zwischen öffentlichem Dienstrecht, Sozialversicherungsrecht und privatem Arbeitsvertragsrecht. Er stellte gleich klar, dass der Zivilschutz-Dienst keine freiwillige Nebentätigkeit sei, sondern eine gesetzliche Pflicht. Ergo handle es sich bei einem Aufgebot um einen «hoheitlichen Akt», so Hugentobler. Aus Sicht des Arbeitgebers heisst dies: Es besteht die Pflicht zur Freistellung des Mitarbeitenden, leistet dieser dem Aufgebot Folge, ist dies kein Kündigungsgrund und reduziert dies auch nicht dessen Ferienguthaben.
In der Folge ging er anhand konkreter Fragestellungen detailliert auf Rechtsgrundlagen, relevante Normen und arbeitsrechtliche Kernfragen ein. So dürfe ein Arbeitnehmer nur eingesetzt werden, wenn keine Übermüdung vorliege – massgeblich indes sei stets die effektive Erholungszeit und nicht die rechtliche Ruhezeit. Es liege in der Eigenverantwortung des Arbeitnehmers, den Arbeitgeber zu informieren und eine allfällige Übermüdung offenzulegen. Hugentobler: «Solange kein Unfall passiert, interessiert dies niemanden. Aber wehe ...». Die Problematik: Es fehlt eine explizite Koordinationsnorm zwischen BZG und Arbeitsgesetz.
Markus Hugentobler gab praktische Handlungsempfehlungen ab, so etwa für Arbeitgeber, zwingend interne Richtlinien zu schaffen und Meldeprozesse nach Einsätzen zu implementieren. Bei ZSOs ist eine transparente Kommunikation und die Sensibilisierung für arbeitsrechtliche Spannungsfelder ebenso wünschbar wie möglichst frühzeitige Aufgebote – «ich weiss, die Praxis sieht oft anders aus», betonte er. Aus der Sicht Schutzdienstleistender sei es speziell wichtig, die Einsatzzeiten zu dokumentieren, offen zu kommunizieren und insbesondere eine Erschöpfung nicht zu verschleiern.
Als Fazit machte er fest: Der Zivilschutz-Dienst bewirkt zwar eine zwingende Freistellungspflicht des Arbeitgebers, jedoch keinen Anspruch auf arbeitsrechtliche Kompensation. «Er suspendiert die Arbeitspflicht, aber nicht die Fürsorgepflicht», so Hugentobler. Haftungsrechtlich entscheidend sei nicht der Einsatz selbst, sondern die betriebliche Reaktion darauf. Oder wie er sich ausdrückt: «Der Zivilschutz funktioniert nur im Zusammenspiel zwischen Staat, Arbeitgebern und Schutzdienstleistenden. Das Recht gibt den Rahmen vor, die Praxis verlangt Kooperation, Vernunft und Prävention.»
In der Kommandanten-Runde herrschte Einigkeit, dass diese wichtige Thematik auch in die Ausbildung einfliessen sollte und dass diese in der Kommunikation gegenüber Arbeitgebern geschärft werden müsse.
Der Dienstmanager Zivilschutz kommt
Nach einer kurzen Pause war Giuseppe Prezzemoli an der Reihe, Rekrutierung Geschäftsbereich Zivilschutz und Ausbildung im BABS. Von ihm gabs ein Update in Sachen elektronisches Dienstbüchlein, respektive Dienstmanager Zivilschutz (DIM ZS), wie es künftig heisst. Denn ab 1. Juni dieses Jahres sollen keine physischen Dienstbüchlein mehr ausgestellt werden. Laut Prezzemoli ist der Pilot-Rollout gut gestartet, der DIM ZS funktioniert. Probleme gibts es vor allem mit dem AGOV, dem Behörden-Login in der Schweiz. Die Kommunikation an die Kantone mit dem Befehl «Libretto finito» sei im März verschickt worden.
Als nächstes werden aufgrund der Rückmeldungen aus dem Pilot-Rollout letzte Anpassungen gemacht und die restlichen Kantone für den Rollout vorbereitet, der spätestens ab Juni über die Bühne gehen soll. «Die kommenden Monate sind sehr wichtig für uns», sagte Giuseppe Prezzemoli. Bis 31. Mai gilt also noch das herkömmliche Dienstbüchlein, dann bricht mit dem Dienstmanager Zivilschutz ein neues Zeitalter an.
Für bewaffneten Konflikt vorbereitet sein
Daniel Jordi, Chef Geschäftsbereich Zivilschutz und Ausbildung im BABS und Vorstandsmitglied im SZSV, orientierte über den aktuellen Stand der Dinge bezüglich Alimentierung. Diesbezüglich laufen auch auf politischer Ebene in Bundesbern seit einigen Jahren viele Dinge parallel, wie er unterstrich. Er sensibilisierte zudem für die Abstimmung am kommenden 14. Juni über die Revision des Zivildienstgesetzes: «Ein Ja an der Urne wäre ein wichtiger Schritt für uns in die richtige Richtung.»
Die Thematik «Bevölkerungsschutz im bewaffneten Konflikt» treibe das BABS sehr um, sagte Jordi in Lugano. Vor zwei Jahren wurde das Projekt mit verschiedenen Handlungsfeldern lanciert, bis Ende 2027, so seine Hoffnung, sollte die Gesamtkonzeption vom Bundesrat verabschiedet und somit klar sein: Was muss der Zivilschutz können und welche Mittel werden benötigt, damit man im Falle eines bewaffneten Konflikts vorbereitet ist. Ein wichtiges Stichwort in diesem Zusammenhang sind selbstredend die Schutzbauten und deren Werterhalt. Seine Bitte an die Kommandanten: «Schaut, dass diese sauber gewartet und kontrolliert sind.»
Daniel Jordi unterstrich seine Freude über den Dienstmanager Zivilschutz, ein «wirklich tolles Projekt». Und er informierte, dass die Armee erwägt, das System PISA zu ersetzen. Näheres hofft er in Bälde zu erfahren.
Echtzeitdarstellung des Ereignisses dank «Rapid Mapping»
Eleonora Pedrini-Pedroli, aktuelle Zivilschützerin des Jahres, stellte danach per Videocall die Vorzüge des Systems «Rapid Mapping» von swisstopo vor, welches nach dem Unwetter im Maggiatal Ende Juni 2024 enorme Dienste leistete. Der Zivilschutz Locarno und Vallemaggia konnte bezüglich Lageanalyse und Führungsunterstützung enorm von diesem System und von ihrem Know-how profitieren, musste er doch zu Beginn quasi «blind» agieren, weil lediglich erste Bilder vom Helikopter vorlagen. Bereits in den ersten Stunden nach Ausbruck des Ereignisses in der Nacht auf den 30. Juni koordinierte Eleonora Pedrini-Pedroli die Arbeiten im Regionalen Führungsstab, speziell im Bereich «Rapid Mapping», und sorgte so für eine Echtzeitdarstellung des Ereignisses, die bei der weiteren Arbeit elementar war. Aufgrund der Flugbilder von «Rapid Mapping» lagen schon nach 12 Stunden gute Informationen darüber vor, was konkret geschehen war. Sie untermalte ihre Schilderungen mit eindrücklichen Bildern und Darstellungen.
Emotionale Momente für Gregor Müller
Nachdem die beiden Co-Präsidenten der KoKo ein überaus positives Fazit der Konferenz gezogen hatten und darin vom Plenum bestärkt wurden, wurde es emotional: Gregor Müller wurde von Patrick Sauzet und Frédéric Voirol mit Präsenten und Worten des Dankes für seine grossen, jahrzehntelangen Leistungen für den Zivilschutz in den Ruhestand verabschiedet. «Es ist bezeichnend», sagte Sauzet, «dass Gregor seinen allerletzten Arbeitstag bei uns in der KoKo verbracht hat.»
Seit 1998 war Gregor Müller im Bevölkerungsschutz tätig. Von 2003 bis 2017 führte er die ZSO Wynental als Kommandant, seit 2018 die neu gegründete ZSO aargau Süd, die unter seiner Führung als «Zivilschutzorganisation des Jahres 2021» ausgezeichnet wurde. Auch im SZSV war er verschiedentlich verantwortlich tätig, so beispielsweise als Zonenleiter.
Der sichtlich gerührte Geehrte bedankte sich bei den zwei Dutzend Anwesenden für den langanhaltenden Applaus und wünschte sich, in einem nächsten Leben «gleich als Zivilschützer» geboren zu werden. Er blicke auf eine grossartige Zeit in diesen Reihen zurück. Nun hat Gregor Müller Zeit, mit seinem geliebten Camper die Lande zu bereisen.
Die nächste Kommandantenkonferenz findet am 3. November 2026 in Bern statt.












